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Die Geschichte des Hauptmannsgliedes

von Hans-Georg Klein

Liebe Schützenbrüder,

ich will mich an den Lehrer Bömmel aus der Feuerzangenbowle halten und fragen: „Watt ess ett Haubtmannsglied? Do stelle mo ons janz domm. Ett Haubtmannsglied esset Glied vum Haubtmann.“ 

Lacht nicht. Der Bömmel hätte nicht so ganz Unrecht, wie wir noch sehen werden. Aber jetzt der Reihe nach.

1740 bestimmt der Rat der Stadt Ahrweiler den Ratsverwandten Jakob Maria Muttone zum Leibschützen. Mit Leibschütze bezeichnete man den Büchsenspanner eines Herrschers. Was der Leibschütze in unserer Gesellschaft war, entzieht sich noch meinen Kenntnissen. Uns sind in der Folge noch 47 weitere Leibschützen bekannt. Aber so viel steht fest. Hier finden wir die erste Untergliederung unserer Schützengesellschaft. Aber nach 1800 taucht der Begriff nicht mehr auf.

Zum erstenmal erscheint dagegen im Jahre 1804 das Hauptmannsglied als sicherer Schützenzug. Die Winzer Peter Gies, Sohn von Peter, aus Walporzheim und Peter Josef Fabri aus Marienthal treten in das Hauptmannsglied der Gesellschaft ein. Es hieß damals einfach „Hauptmann“. Damit haben wir den ersten sicheren Beleg, dass das Hauptmannsglied vor 205 Jahren schon bestand und bis heute ununterbrochen weiterbesteht. Das ist nicht selbstverständlich. So ist das Leutnantsglied beispielsweise dreimal neu gegründet worden.

In der Folge bilden sich weitere Schützenkompanien heraus, so 1808 die Wachtmeisterkompanie, das Königsglied usw. Die Geschichte der Entstehung der Einzelne Schützenzüge ist noch nicht beschrieben worden und harrt noch seiner Erforschung.

Aber zurück zum Hauptmannsglied. Wie immer im Leben spielt das Geld eine Rolle, ob wir wollen oder nicht. Das Geld gibt auch meistens den sozialen Status an.

Wenn wir uns die Eintrittsgelder für den Eintritt in die Gesellschaft betrachten, steht das Hauptmannsglied lange Zeit an der Spitze. !819 zahlt der Schützenbruder für den Eintritt ins Hauptmannsglied 8 rtlr, für das Fähnrichglied und das Leutnantsglied 6 rtlr und für das Wachtmeisterglied 4 rtlr.

In der Ordnung von 1826 ändert sich das Bild nicht. Hauptmannsglied 8 rtlr, Fähnrichsglied 7 rtlr, Leutnantsglied 6 rtlr und Unterleutnantsglied 4 rtlr. Also wer es sich leisten konnte, trat ins Hauptmannsglied ein.

Wie viel Geld diese 8 rtlr Eintrittsgeld waren, zeigt uns, dass die erste Rate sofort beim Eintritt, die zweite Rate aber erst nach einem Jahr fällig war.

1843 wurde die Leibschützenkompanie (heute Elitecorps) gegründet. Das Eintrittsgeld betrug zuerst 6 rtlr, später 9 rtlr. 1869 zahlte das Königsglied 10 rtlr Eintrittsgeld.

Jetzt kommt etwas Sensationelles. Ich darf aus dem Protokoll vom 2. Juni 1876 zitieren:

„Einstimmig wurde der Artikel § 15 wie folgt abgeändert.

  1. dass von heute an den Eintritt als Mitglied zur Hauptmanns-Kompanie nur gegen Zahlung eines Betrags von 21 Mark, und dergleichen zur Leutnants-Kompanie gegen Zahlung von 14 Mark erworben werden kann.
  2. dass ferner alle die den beiden vorgenannten Kompanien sich Meldenden zunächst in die Leutnants-Kompanie eintreten und sofort mindestens 8 Mark zahlen müssen, nur dass diejenigen, welche zur Hauptmanns-Kompanie überzutreten wünschen, dieses erst nachdem sie zwei Jahre in der Leutnants-Kompanie gewesen sind und den ganzen Betrag von 21 Mark bezahlt haben, gestattet werden kann. Hierbei bleibt indessen der bisherige Gebrauch bestehen, dass die neu Eintretenden am Schlusse des Zuges sich anschließen müssen.“ Ende des Zitates!

Esset net schön!

Das Leutnantsglied als Lehrkompanie des Hauptmannsgliedes. Nach zwei Jahren Lehrzeit konnte man aufsteigen.

Zur Uniformierung des Hauptmannsgliedes nur so viel. Die Ahrweiler Schützenzügen trugen zu den Aufmärschen einen guten Anzug, den sogen. Kommuniöner, dazu eine grüne Mütze, ähnlich wie die Junggesellen-Mösche das noch heute tun. Bei der Gründung des Elitecorps 1843 schaffte dieses sich sofort Uniformen an, wie sie heute noch getragen werden. Selbst die Offiziere hatten keine Uniformen. Sie trugen einen Gehrock mit Zylinder, eine Schärpe und dazu einen umgeschnallten Säbel. Erst 1857 wurden die Offiziere uniformiert. 

Das Hauptmannsglied erhielt einheitliche Uniformen erst zum Jubelfest 1903 und zwar waren das kurze grüne Joppen. Die heutigen Waffenröcke kamen erst später in Gebrauch.

Soweit die Wertigkeit des Hauptmannsgliedes im Vergleich mit den anderen Zügen.

Wäre noch zu klären, wer Offizier gewesen ist. Ursprünglich gab es einen Wachtmeister, der führte die Wachtmeister-Kompanie; einen Leutnant, der führte die Leutnantskompanie und einen Fähnrich, der führte die Fähnrichs-Kompanie. Also ist analog dazu anzunehmen, dass der Zugführer der Hauptmanns-Kompanie der Hauptmann gewesen ist. Das galt bis 1843, als das Elitecorps gegründet wurde. Damals übernahm der stellvertretende Hauptmann, der Oberleutnant, die Führung der Hauptmanns-Kompanie. Dabei ist es dann geblieben, obschon der Oberleutnant nicht mehr stellvertretender Hauptmann ist.

Ich fasse zusammen:

  1. Das Hauptmannsglied ist das älteste der heute bestehenden Schützenglieder.
  2. Das Hauptmannsglied besteht seit mindestens 205 Jahren.
  3. Das Hauptmannsglied war in der hierarchisch gegliederten Gesellschaft ganz oben angesiedelt.
  4. Deshalb war der Name Hauptmannsglied ein „Rangname“. Aber das ist Vergangenheit.